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Buchvorstellung: „Die Abschaffung der Mutter“ von Alina Bronsky und Denise Wilk

Es ist wieder Zeit für eine Buchvorstellung und ich freue mich sehr, euch heute ein politisch bristantes Buch zum Thema Muttersein in der heutigen Zeit vorstellen zu dürfen.“Die Abschaffung der Mutter – Kontrolliert, manipuliert und abkassiert – warum es so nicht weitergehen darf“ durfte ich – wie es der Titel schon erahnen lässt – als ein sehr ehrliches, tiefgründiges, aber auch provokantes Buch kennenlernen.

 


Der Buchrücken lässt die Spannung steigen

 

Beginnen möchte ich gerne mit dem Buchrücken:

 

“ Mütter werden zunehmend bevormundet, kleingehalten und überwacht. Neuerdings gelten sie nicht nur als grundsätzlich inkompetent, sondern auch als entbehrlich und ersetzbar. Wer im Beruf und Alltag ernst genommen werden will, der lässt die Bedürfnisse seiner Familie am besten unter den Tisch fallen. Schritt für Schritt  vollzieht sich so die Abschaffung der Mutter.

In ihrem Buch liefern Alina Bronsky und Denise Wilk eine schonungslose Analyse der Entwicklungen und fragen, was sich ändern muss, damit Mütter wieder den Rückhalt bekommen, den sie verdienen. „

Puh, das klingt doch krass – sehr krass sogar, oder? Genau das habe ich beim Lesen dieser provokanten These gedacht. Umso neugieriger war ich auf den Inhalt dieses Buches und was genau hinter dieser harten Behauptung stehen mag.

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Die Autorinnen

 

Wenn ihr euch zunächst fragt, welche Autorinnen hinter diesem Buch stecken und wer das eigentlich ist, der solch provokante Behauptungen von sich gibt, dann möchte ich euch kurz die beiden Damen vorstellen. Alina Bronsky ist 1978 in Jekaterinburg und Denise Wilk im Jahre 1973 in Freiburg geboren. Beide Frauen sind vierfache Mütter – inklusive Stiefkinder haben die beiden zusammengezählt sogar 10 (!) Kinder. Bereits seit Jahren beobachten diese Frauen, wie sich die Rolle der Mutter in unserer Gesellschaft entwickelt und müssen schon lange traurig feststellen, dass diese Entwicklung immer besorgniserregender wird. Die Bestseller-Autorin Alina Bronsky und die Doula Denise Wilk (als Doula begleitet sie Frauen vor, während sowie nach der Geburt und veranstaltet Eltern-Kind-Kurse) sollten also wissen, wovon sie hier sprechen.

 

Der Inhalt – Spannend, provokant, pointiert und tiefgründig

 

Kurz vorweg – meine persönliche Situation

 

Provokante und tiefgründige Themen faszinieren mich schon seit meiner frühen Kindheit. Ich persönlich habe es schon immer einfach ungern hingenommen, dass etwas „einfach so ist“ oder dass man etwas „eben halt machen muss“. Unserer Familienpolitik stehe ich ebenfalls seit Jahren kritisch gegenüber und auch ich verfolge bereits seit Jahren voller Sorge die laufenden Entwicklungen mit. Während es „früher“ noch als größte Tugend galt, als Mutter bzw. engste Bezugsperson 3 volle Jahre bei seinem Kind zu bleiben, weil die „ersten 3 Jahre die wichtigsten Jahre überhaupt“ sind (was ich vor 10 Jahren auch noch in meinem heiß geliebten Abi-Fach „Pädagogik“ gelernt habe), scheint es unseren Politikern, den Arbeitgebern und auch der Gesellschaft an sich heute nicht mehr schnell genug zu gehen, dass das Kind so früh wie möglich fremdbetreut wird und die Mutter wieder zurück im Job ist – im Idealfall Vollzeit, versteht sich. Übrigens hatte ich vor zwei Wochen mein 10-jähriges Abitreffen, wo auch meine Pädagogik-Lehrerin zugegen war und die es mit Freude begrüßte, dass ich „immer noch“ bei meinem im März 2 Jahre alt gewordenen Sohn zu Hause bin und ihn selbst betreue. „…Sie wissen, was Sie bei mir gelernt haben! Die ersten 3 Lebensjahre eines Kindes sind die wichtigsten. Das dürfen Sie niemals vergessen. Sie machen das genau richtig!“ Das tat so unheimlich gut, diese warmen Worte meiner ehemaligen Lehrerin zu hören. Endlich mal kein „Na, wann kommt der Kleine denn in den Kindergarten“ oder „wann gehst du wieder arbeiten“, sondern einfach mal Anerkennung und Lob von einer erfahrenen Pädagogik-Lehrerin und Mutter zu hören, tat einfach unheimlich gut. Dass ich aber tatsächlich irgendwie ja schon berufstätig (als freiberufliche Texterin) bin, erzähle ich den Wenigsten, da ich gemerkt habe, dass es in den Ohren vieler berufstätiger Mütter als „kein richtiges“ Arbeiten anerkannt wird. So what? Das ist jetzt aber ein anderes Thema und würde den Rahmen dieses Artikels, der ja eigentlich eine Buchvorstellung ist, sprengen. Ich möchte nur vorweg sagen, dass ich glücklich bin, rund um die Uhr bei meinem Sohn zu sein und stets für ihn da zu sein, wenn er mich braucht und dennoch – flexibel (!) – als Mompreneur arbeiten zu dürfen und noch nicht – vor allem Vollzeit – in mein Sekretärinnen-Büro in Anstellung zurückzumüssen. Ich genieße es, meine Elternzeit von 3 (!) Jahren voll und ganz auszukosten. Natürlich müssen wir finanziell so manche Abstriche machen, aber wir kommen soweit gut zurecht und diese vereinzelten Abstriche sind es mir einfürallemal wert, wenn ich dafür voll und ganz an der Entwicklung meines Sohnes teilhaben darf! Ich möchte auch jede andere Mutter, die sich nicht sicher ist, welchen Weg sie einschreiten soll – Familie oder Job, oder beides? – aus voller Überzeugung dazu ermutigen, auf ihr Bauchgefühl, auf ihr Herz zu hören.

 

„Die Abschaffung der Mutter“ – zum Inhalt und Leseerlebnis

 

Das Buch ist einfach zu lesen und gut verständlich geschrieben. Ebenso sind der Aufbau und die Struktur des Buches in sich sehr logisch und schlüssig. Die beiden Autorinnen schreiben aus der Wir-Perspektive und verfügen über eine sympathische Schreib- und Ausdrucksweise. Die beiden Damen nehmen den Leser an die Hand und gehen mit ihm Schritt für Schritt alle Bereiche durch, in denen ihrer Meinung nach die Mutter heutzutage bevormundet, belächelt und/ oder unterdrückt wird. Das ganze Disaster beginnt nach Auffassung der Autorinnen bereits mit dem bloßen Kinderwunsch oder auch damit, wie Kinder in unserer heutigen Gesellschaft gesehen werden. Man muss heutzutage ja eigentlich übergeschnappt sein, überhaupt einen Kinderwunsch zu haben – das ist salopp gesagt eine der Kernaussagen aus diesem Kapitel des Buches. Kinder sind doch eher etwas Lästiges, Nerviges und vor allem Karrierebremsendes! Im nächsten Kapitel geht es weiter mit der neuen Fortpflanungstechnologie und wie diese in erster Linie unseren Arbeitgebern zugute kommt. Heutzutage ist dank dem Einfrieren von Eizellen und der künstlichen Befruchtung doch alles möglich, oder? Der Kinderwunsch kann ganz bequem nach hinten verschoben werden. Auch wenn die Autorinnen die moderene Fortpflanzungstechnologie nicht komplett verpönen, so wird dieser Errungenschaft doch relativ skeptisch gegenübergestanden. Es geht dann auch schon mit der Schwangerschaft weiter. Wie häufig fühlen sich Schwangere bevormundet – von den Gynäkologen und Krankenhäusern? Heutzutage ist es nicht selten, dass eine Schwangerschaft fast schon einer Krankheit gleichgesezt wird und fast die komplette Schwangerschaft hindurch Angst geschürt wird, sodass die Schwangere quasi dazu gedrängt wird, ihr eigenes Bauchgefühl zu ignorieren und einfach jede (oft überflüssige) Untersuchung, jeden Ultraschall und alle Vitamintabletten mitzunehmen, damit ja ein gesundes Kind zur Welt kommt. Die Anforderung an eine Schwangere heutzutage arten häufig in einem enormen Leistungsdruck aus und wollen der Schwangeren vermitteln, dass sie im Grunde genommen Schuld daran sei, wenn ihr Kind nicht gesund zur Welt käme. Ähnlich sieht es auch bei der Geburt aus. Die Autorinnen gehen auf die Gewalt gegenüber Gebärenden im Kreißsaal sowie auf die überdurchschnittlich hohe Kaiserschnittrate (Tendenz steigend!) ein und versuchen die Ursachen hierfür herauszustellen. Weiter geht es um das vergessene Wochenbett und darum, dass diese intime und sensible Zeit von 8 Wochen der jungen Mutter von heute kaum noch gewährt wird. Sie hat ganz normal wie zuvor weiterzufunktionieren und tippitoppi gestylt zu sein, als hätte sie nicht kurz zuvor erst ein Kind geboren. Des Weiteren geht es um eines meiner Lieblingsthemen, nämlich um das Stillen und die Hysterie, die mit diesem Thema einhergeht. Überaus spannend erklären die Autorinnen die Entwicklung des Stillens und insbesondere der künstlichen Flaschennahrung und decken auf, wer hier tatsächlich profitiert. Im weiteren Verlauf des Buches wird das Überangebot an diversen Kursen für junge Mütter kritisiert sowie die Thematik „Der Vater als bessere Mutter“ beleuchtet. Zu guter Letzt gipfelt alles in der Kita-Pflicht und dem für mich nervenaufreibenden Thema von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

 

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Die Thematik dieses Buches empfinde ich als überaus spannend. Gesellschaftskritisch und die aktuelle Familienpolitik hinterfragend stellen Alina Bronsky und Denise Wilk sehr geschickt zahlreiche Missstände heraus, möchten wachrütteln und an das nur nach schwach vorhandene Selbstbewusstein der heutigen Mutter appelieren, dass wir Mütter uns das alles nicht gefallen lassen sollen und einfach mehr auf unser natürliches Bauchgefühl hören sollen. Auch wenn ich persönlich nicht uneingeschränkt mit jeder These aus diesem Buch einverstanden bin, so bin ich dankbar, wieder ein bisschen mehr Rückenwind für meine persönliche Einstellung erhalten zu haben.

 

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Fazit:

 

Meiner Meinung nach sollte wirklich jede Mutter dieses Buch lesen, da ich denke, dass so mancher Frau, die vielleicht sogar unglücklich und überfordert mit ihrer aktuellen Situation ist, die Augen geöffnet werden können. Ich glaube, dass so manche Mutter, angeregt durch dieses Buch, dazu ermutigt werden kann, die richtige Entscheidung für ihr Leben zu treffen und selbstbewusst für diese Entscheidung einzustehen – sei es das Thema Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt, Stillen, Kita oder Vereinbarkeit. In „Die Abschaffung der Mutter“ werden sehr tiefgründig die Hintergründe unserer heutigen Entwicklung der Mutter-Rolle herausgestellt und insbesondere wie die Politik, die ArbeitGEBER, aber auch die Pharmaindustrie von dieser ganzen Geschichte profitieren 😉 Also: Absolut lesenswert!

 

 

Interessieren euch auch solche Themen? Oder ist euch so etwas zu politisch?

Eure Elena

 

 


 

Ich danke dem Bloggerportal Randomhouse herzlich für das kostenlose Rezensionsexemplar!


 

 

* Der Artikel enthält Affiliate Links!

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