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Der härteste Schlag ist der Schicksalsschlag – Wenn eine Frau ihr Baby verliert

Heute darf ich einen Gastbeitrag zu einem sehr traurigen und emotionalen Thema auf meinem Blog veröffentlichen. Die Autorin, die gerne anonym bleiben möchte, berichtet vom schlimmsten Schicksalsschlag ihres Lebens und wie es sich anfühlt, ein Kind zu verlieren, noch bevor dieser kleine Mensch die Welt jemals kennen lernen durfte.

 

 

Sie erzählt von diesen schlimmen Momenten ihres Lebens und wie sie heute – einige wenige Jahre nach der schlimmsten Zeit ihres Lebens – mit diesem Thema umgeht. Es geht um ein Thema, das für viele Menschen doch leider noch ein Tabu-Thema ist.


 

 

Bald sind wir eine richtige kleine Familie

 

Der Schwangerschaftstest ist positiv, voller Glück renne ich ins Schlafzimmer und wecke aufgeregt meinen Mann. Verschlafen fragt er mich, was los sei. Ich halte ihm den Teststreifen hin und plötzlich fängt er an zu lächeln und nimmt mich fest in den Arm. Wir waren sehr glücklich darüber, bald Eltern zu sein. Somit wäre unser Glück perfekt, denn wir hatten ca. 2 Jahre zuvor geheiratet und hatten uns ein kleines Haus gekauft. Ein Baby würde aus uns eine richtige kleine Familie machen.

Die üblichen Schwangerschaftssymptome traten schon bald auf. Nichts war ungewöhnlich. Natürlich waren die ständige Übelkeit und die Kreislaufprobleme nicht angenehm, aber ich war fest entschlossen: Für unser Baby würde ich alles durchstehen. In der 6. Schwangerschaftswoche wurde mir die Schwangerschaft dann von meiner Frauenärztin bestätigt; in der 8. Schwangerschaftswoche folgte der ersehnte Herzschlag unseres Babys. Dieses Gefühl war überwältigend – zu wissen, dass in mir ein kleiner Mensch heranwuchs.

Wir entschlossen uns, unseren Freunden und Verwandten von der Schwangerschaft zu erzählen. Auf der Arbeit jedoch sagte ich es erst in der 13. Schwangerschaftswoche. Ich war so stolz, allen von der Schwangerschaft zu erzählen. Einen Tag später sollte der nächste Kontrolltermin sein. Endlich war die nächste Ultraschalluntersuchung dran. Ich nahm außer meinem Mann noch meine ältere Schwester mit zu diesem Termin. Ich wollte, dass meine Schwester unser kleines Wunder mit bestaunen kann. Unser Baby war ganz schön gewachsen, man sah die Form eines richtigen kleinen Babys. Die Ärztin erklärte uns alles und sah zufrieden aus.

 


Und es wurde dunkel um uns herum

 

Plötzlich überkam mich ein ungutes Gefühl. Ich fragte die Ärztin, was das Baby hinten am Nacken habe. Sie lächelte nur und meinte dass dies die Nabelschnur sei. Sie wollte mit der Untersuchung aufhören, ich fragte sie jedoch, ob sie nicht noch mal nachschauen könnte. Plötzlich wurde die Ärztin ganz ernst und brachte kein Wort hervor. Wir drei ahnten nichts Gutes und ich fragte was los sei. Die Ärztin versuchte sich zu sammeln und fragte mich, ob Herzfehler oder das Down-Syndrom in unserer Familie vertreten wären. Wir waren schockiert und ich konnte die Tränen nicht zurückhalten. Warum? Dachte ich nur…warum? Sofort schossen mir tausende Dinge durch den Kopf: Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich ernähre mich gesund. Was habe ich nur verbrochen, warum sollte mein Kind nicht gesund sein?

Es folgten zahlreiche Untersuchungen bei Fachärzten. Ich verliebte mich mit jeder Ultraschalluntersuchung immer mehr in unser kleines Wunder. Man sah, wie sie ihre winzigen Hände bewegte und sich von innen an mich kuschelte. Es konnte doch nicht sein, dass dieses Wunder mir womöglich genommen werden könnte?

Von Untersuchung zu Untersuchung sah man, dass es unserem Baby nicht gut ging. Nicht nur das Herz, sondern sämtliche Organe waren fehlentwickelt. Die Ärzte sprachen ein Thema an, welches für mich nicht infrage kam. Mir wurde gesagt, dass mein Baby keine Überlebenschance hätte. Ich solle doch die Abtreibung in Erwägung ziehen, da mein Kind definitiv nicht überleben würde. Es war so schrecklich, ich sollte dieses kleine Wunder töten lassen? Ich konnte es nicht fassen. Ich entschied mich, weiter zu machen, solange mein Baby es noch schaffen würde.

Ich weinte sehr viel, ich fühlte mich schrecklich. Es gab keine Worte, die meine Verzweiflung hätten ausdrücken können. Ich hoffte, betete und wünschte mir, dass die Ärzte sich irrten. Oder, dass es vielleicht nur ein böser Traum war.

In der 19. Schwangerschaftswoche wurden unsere schlimmsten Ängste Wirklichkeit. Als das Ultraschallgerät eingeschaltet wurde, stockte mir der Atem. Das Herz schlug nicht mehr wie zuvor. Es machte sehr viele Pausen. Der Arzt schaute mich ernst an und sagte, es sei soweit, unser kleines Mädchen gehen zu lassen. Es würde nicht mehr lange dauern. Es wäre ein Wunder, dass sie überhaupt so lange durchgehalten hätte.

Mein Mann begleitete mich am nächsten Tag ins Krankenhaus. Dort wurde ich untersucht und es wurde festgestellt, dass das Herz unseres Babys bereits aufgehört hatte zu schlagen. Wir stürzten in ein tiefes Loch, wir waren wie erstarrt. Ich hatte die letzten Wochen so viel geweint wie noch nie zuvor in meinem Leben.

 


Abschied nehmen

 

Die stille Geburt wurde eingeleitet. Leider verlief es nicht so, wie die Ärzte es sich erhofft hatten. Am 4. Tag der Einleitung war ich so geschwächt, dass ich kaum noch aufstehen konnte. Die Schmerzen waren einfach unerträglich. Ich hatte schon am ersten Tag der Einleitung Wehen. Aus diesen Wehen wurden Dauerwehen. Es gab keine Pause wie bei einer normalen Geburt. Wie durch einen Schleier bekam ich mit, dass nicht nur eine Hebamme nach der anderen, sondern auch die Chefärztin immer wieder zu mir ins Zimmer kamen und besorgt schauten. Plötzlich kam die Chefärztin auf mich zu und sagte, so kann es nicht weitergehen. Meine Gebärmutter reiße bereits ein. Wir mussten nun schauen, wie wir weiter vorgehen.

Über diese Aussage war ich nicht schockiert, ich dachte nur, wenn ich jetzt sterben muss, dann ist das so. Mir war alles egal. Die Schmerzen machten mich fast verrückt. Ich wusste nicht, wie ich aussah, aber mein Mann, der die ganze Zeit an meiner Seite war, war blass und sah sehr besorgt aus.

Plötzlich ging alles sehr schnell, mein Mann rannte aus dem Zimmer und rief eine Hebamme. Ich war wie in Trance. Ein paar Minuten später war sie da. Sie war so klein und wirkte zerbrechlich. Ich weinte und weinte, denn nun war es endgültig vorbei. Wir schauten unsere Tochter an – winzige Fingernägel, Augenbrauen, einfach alles, was an einem normalen Baby dran ist war auch an unserem Baby dran.

Besonders schrecklich war es, dass wir die Babys aus dem Kreißsaal und den Nachbarzimmern weinen hörten. Es war kaum zu ertragen.

Wir bestatteten unser Baby im Grab meiner Großeltern. In kleinem Kreise verabschiedeten wir uns von unserem Kind.

Heute liegt ein herzförmiger Grabstein auf dem Grab sowie kleine Engel und Blumen von Freunden und Verwandten. Wir kommen auch noch fast 4 Jahre nach dem Begräbnis regelmäßig zu dem Grab unseres Babys. Wir werden Sie niemals vergessen, denn sie ist ein Teil von uns.

 

 

Der härteste Schlag ist der Schicksalsschlag.


Nachwort – Von Zeit und Wunden

 

In der Zeit der Trauer bekommt man viele Sprüche zu hören, nicht alle davon sind hilfreich. Es gibt sogar Sprüche, die einen sehr verletzen. Von „ach ihr seid ja noch jung“ bis hin zu „das war doch noch kein richtiges Kind.“

Sollte mich heute jemand fragen, ob Zeit alle Wunden heilt, würde ich eindeutig mit „nein“ antworten. Die Zeit ist eine Art Lehrer, der uns beibringt, das Erlebte besser zu verarbeiten und in Alltagssituationen besser damit umzugehen. Der Schmerz bleibt ewig unser Begleiter.

Wichtig ist es, nach vorne zu blicken und keinem die Schuld an dem Geschehenen zu geben, weder Gott noch Mensch. Es mag sich blöd anhören, aber es hilft positiv nach vorne zu blicken – auch wenn es sehr lange dauert, bis man aus dem tiefen Loch der Verzweiflung herauskommt.

7 Kommentare zu “Der härteste Schlag ist der Schicksalsschlag – Wenn eine Frau ihr Baby verliert

  1. Es ist so schwer, sein Baby zu verlieren – und dennoch betrifft es so viele von uns Mamas da draußen. Nicht immer in einer so fortgeschrittenen Woche, nicht immer mit einer so traurigen Diagnose vorab. Ich selbst habe mein Baby in der Frühschwangerschaft verloren und der Schmerz ist immens. Von außen hört man immer nur „das war doch noch nicht mal ein Baby“. Das trifft mich. Deshalb habe ich auch auf unseremBlog ganz offen darüber geschrieben.
    Allen Sternchenmamas ganz viel Kraft!

    1. Ich fühle mit euch. Es ist so schwer und jeder Gedanke zerbricht Das Herz in viele neue kleine splitter. Zeit heilt keine Weibern du gewöhnst dich nur an den Schmerz. Ich wünsche allen Mamas da draußen, denen dieses schmerzhafte Schicksal widerfuhr, ganz viel Kraft und viele liebe Menschen von denen man Kraft erhält.

  2. Ach, das tut mir furchtbar leid!!! Wir haben selbst unser Küstenbaby in der Schwangerschaft verloren, ich fühle mit Dir!

    Fühl Dich gedrückt, wenn Du magst und viel Kraft für Dich und Euch!

    Liebe Grüße aus der Ferne
    Küstenmami

  3. Sehr berührend, ich kann nachvollziehen, dass immer etwas fehlen wird. Und ich finde die Entscheidung sich für das Kind zu entscheiden, so lange es leben will wundervoll, ich glaube das liegt daran, dass mein Kind mit Down Syndrom zur Welt gekommen ist, wirklich nicht schlimm und organisch gesund und ich wünschte mir alle Eltern würden mit Liebe zu ihren Kindern stehen und ihnen eine Chance geben auch wenn es hier dann am Ende nur ein paar Tage waren <3
    Danke für diesen Post

  4. Ich war leider nicht so stark, bis zum Ende zu warten….
    Wir freuten uns riesig, als wir schwanger waren und vor allem nach so kurzer „Übungszeit“ 😉
    Aber die Freude hielt nicht lang…
    Zunächst verreisten wir noch ein letztes Mal zu zweit, weit weg und schön warm sollte es sein. Gesagt, getan.
    Als wir wieder kamen und meinen regulären Frauenarzttermin hatte, wollte ich unbedingt einen Ultraschall, nur der Teufel weiß, warum.
    Da es außerplanmäßig war, mußte ich meine Frauenärztin erst etwas bitteln und betteln.
    Während des Ultraschalls stützte sie dann ihren Kopf in ihre beiden Hände und sagte mir, dass etwas nicht stimmte. Ab da habe ich nichts mehr registriert.
    Ich musste am nächsten Tag sofort zur Feindiagnostik.
    Der Arzt, der leider kein Mann der großen mitfühlenden Worte war, sagte mir dann nur kurz und prägnant: Omphaluzele und massive Behinderung. Punkt. Zur weiteren Klärung muss ich zur Fruchtwasseruntersuchung kommen.
    Da schlug mir jemand so derb ins Gesicht, dass ich nicht sah, wer es war….es war das Schicksal.
    Leider muss man vor jeder schwer wiegenden Entscheidung eine Bedenkfrist einhalten. So wartete ich auf den Fruchtwasseruntersuchungstermin und dann auch wieder auf den Krankenhaustermin.
    Jeder kann sich jetzt denken, wie meine Geschichte weiter geht.
    Als die Fruchtwasseruntersuchung vorüber war und die Ergebnisse endlich da waren, mussten wir dann noch zu einem Humangenetiker ins KH.
    Fazit: Trisomie 18, schwerst behindert mit Omphaluzele ( offener Bauch mit herausgetretenen Organen)
    In ein was waren sich alle Ärzte einig, unser Kind wird die Schwangerschaft nicht überleben.
    Alle Entscheidungen und Taten erlebte ich in Trance. Ich sah mich nur von außen, als wenn mich das alles nicht betrifft.
    Alle rieten mir zu einem Abbruch.
    Was ich dann auch tat.
    Es waren die traurigsten 30h in meinem bisherigen Leben.
    Es war der 08.12.2012
    Überall war es weihnachtlich geschmückt, es lag traumhafter Schnee und ich war dabei, dass Kind in mir zu töten.
    Ich wollte es allein hinter mich bringen, meinen Mann bat ich, zu Hause zu bleiben.
    Seitdem vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht frage, ob das richtig war oder ob ich lieber hätte warten soll, bis es in mir von allein stirbt, oder kurz nach der Geburt….
    Ich weiß es nicht und diese Frage wird mir auch nie jemand beantworten können.
    Auf unserem Friedhof gibt es eine Stelle für Sternenkinder, da frage ich mich oft, wie unser kleiner Paul jetzt aussehen würde……….

  5. Nur wer das erlebt hat weiß wie es weh tut. Ich hab meine Tochter in der 18. Woche unerwartet entbunden, ich lag schon die 3. Woche im Krankenhaus wegen Blutungen, aber keiner sagte mir das ich sie verlieren könnte, so oft ich auch nachfragte, ich hatte Angst sie zu verlieren. Es war mitten in der Nacht und ich hatte starke Schmerzen aber ich wusste nicht das es wehen sind. Die Nachtschwester war genervt und brachte mir ein Medikament gegen die Schmerzen, was ich nicht nehmen durfte, weil ich darauf allergisch war. Die Ärztin komme wenn sie im Op fertig wäre. Die Ärztin kam als ich im Bett lag, meine Tochter verloren hatte und die Hebamme sie mitgenommen hatte ohne das ich sie sah. Als ich nach der Ausscharbung aufwachte ,kam eine Hebamme und fragte wann ich sie sehen will. Ich war so perplex, ich war noch nicht mal wach, eine Stunde später bekam ich ihre Bilder, die ich mir nicht anschaute aus Angst wie sie aussieht, zeitgleich bekam ich einen Zettel den ich unterschreiben sollte wegen der Einäschung, wir wussten nichts mehr, alles brach auf uns ein und keiner klärte uns auf.
    Mein Mann und ich sind ersz später zu ihr, alles war dran, sie war perfekt und so schön. Meine Entlassungspapiere bekam ich und durfte gehen, das Zimmer wurde gebraucht und ich war noch am packen, als meine Nachfolgerin kam, eine junge Mutter mit ihrer Tochter! Ich wollte nur raus, wie sind nochmal zu unserer Prinzessin und es war der schlimmste Moment in meinem Leben, der Abschied.
    Die Zeit danach war der Horror, ich wurde einmal untersucht, alles ist ok und einen Ratschlag hab ich von meinen Gyn bekommen, einfach nochmal probieren! Ich bin niewieder zu ihm hingegangen. Keiner klärt einen auf, keiner sagt dir was alles noch passieren kann. Mir ging es jeden Tag schlechter, Ängste kamen in mir auf, ich konnte nicht mehr Arbeiten, Schwindel, Panikattacken und keiner weiß warum!!!!! Erst bis ich kurz vor dem durchdrehen war, stellte ein Therapeut fest das ich eine postnatale Depression habe. Mir geht es jetzt nach einem Jahr schon besser, aber ich bin sehr enttäuscht das Frauen nach einem solchen Erlebnis nicht häufiger Untersucht werden, Info Materialien gegeben werden…..gar nichts außer die leere!!
    Ich hätte gerne einen Ort wo ich sie besuchen könnte, ich hätte gerne sie richtig beerdigt, aber alles ging so schnell, worüber ich sehr traurig bin und gerne anders gemacht hätte. Die Zeit heilt keine Wunden, der Schmerz wird auch nicht weniger, man lernt aber damit umzugehen. Meine Prinzessin wäre jetzt 5 Monate….

  6. Es ist furchtbar…ich denke fast jeden Tag daran.ich war mit zweieiigen Zwillingen schwanger,und verlor eins der beiden Kinder in der 13 .SSW.das einzige was mich die Schwangerschaft noch genießen ließ,war der Gedanke daß es dem anderen Baby und mir gut geht und ich und nicht weiß ob es mit Zwillingen genauso ausgegangen wäre ….so viele Gedanken schossen mir durch den Kopf …was wäre wenn???aber ich bin überglücklich das es meinen Kind gut geht und alles drin und dran ist wo es hingehört …

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